Das soll also meine neue Heimat sein. Ich wusste ja, dass diese Stadt ein Projekt zur Neuansiedlung  ist. Aber so leer hatte ich es mir nicht vorgestellt. Neben mir wohnte nur eine einzige Familie schon dort. Wenigstens gab es einen kleines Einkaufcenter, wo ich das Nötigste kaufen konnte.

Und das ist also meine kleine, bescheidene Hütte. Für das Geld hätte ich echt mehr erwartet. Das ganze Haus (kann man hier überhaupt von Haus reden?) war kleiner als die Diele im Haus meiner Eltern. Naja, immerhin besser als jetzt dort zu sein und die Details meiner Hochzeit mir anzuhören

Ich beschloss mir die Bude erstmal von innen anzusehen. Der Makler hatte freundlicherweise den Schlüssel neben die Treppe gelegt.

Drinnen traf mich dann fast der Schlag. Wer in Gottes Namen hatte dieses Haus eingerichtet? Nichts passte annähernd zusammen. Das einzig coole an der Hütte war der gelbe Kühlschrank und der Fernseher.  Leider war mein ganzes Geld für den Hauskauf draufgegangen und so musste ich wohl oder übel erstmal mit diesen Sachen auskommen. Ich beschloss mir so schnell wie möglich einen Job zu suchen, um mir neue Sachen zu kaufen.

 

Während ich mich in meinem neuen Zuhause so umschaute, sah ich auf der Straße einen Jungen vorbeigehen. Vielleicht konnte er mir ja was über die Gegend hier erzählen.

 

Sein Name war Anton. Wir kamen auch  schnell ins Gespräch und so fragte ich ihn über meine neue Heimat aus. Er erzählte mir, die einzige Möglichkeit an einen Job zu kommen, sei über die örtliche Zeitung. Auch gab er mir Tipps zum abendlichen Weggehen. Außer dem Einkaufcenter gab es wohl noch nichts hier in der Gegend. Man konnte sich nur ein Taxi nehmen und in das 5 km entfernte Downtown  zu fahren. Wir verbrachten den ganzen morgen damit über alles Mögliche zu reden. Gegen Mittag musste Anton leider nach hause. Ich schaute ihm noch lange hinterher. Ein Lächeln lag auf meinem Gesicht während ich daran dachte, dass ich meinen ersten Freund schon gefunden hatte.

Am Abend rief ich mir ein Taxi und fuhr damit zum Einkaufcenter. Mal schauen was da so los war.

In einer kleinen Kaffeebar kam ich auch schnell wieder mit einigen Leuten ins Gespräch. Von ihnen erfuhr ich auch, dass es hinter den Bergen auf der anderen Seite des Flusses noch so eine Siedlung wie Simmville  gab. Und ich hatte mich schon gefragt, wo die ganzen Leute herkommen.

 

Gegen Mitternacht fuhr ich wieder nach Hause. Im Bett lag ich noch lange wach und dachte noch mal über den heutigen Tag nach. Die Flucht vor meinem Vater, die abenteuerliche Reise nach Simmville, die vielen netten Leute, die ich heute kennen gelernt hatte…
Während mir dies alles noch mal durch den Kopf ging, schlief ich mit einem Lächeln ein.

Am nächsten Morgen erwachte ich mit dem Gefühl, das mein Leben doch noch einen Sinn hat und das ich ohne meine Eltern oder Stuart schaffen kann.

In den nächsten Tage ließ ich die Welt an mir vorbeiziehen und genoss mein neues Leben.. Meistens saß ich vor meinem Haus und ließ mir die Sonne ins Gesicht scheinen...

...oder steckte die Nase in  diverse Bücher (vorwiegend Kochbücher, da mir Pizza und Co schon zum Hals raushingen.)

Abends saß ich meistens vor der Glotze und zappte durch die Kanäle.
So ging es etwa einer Woche. Ich hätte Ewig so weiter machen können, doch leider gingen langsam meine Ersparnisse zu Ende und so beschloss ich mir endlich einen Job zu suchen.

Leider gab es in diesem Kaff nicht gerade viel Auswahl an guten Jobs. Ich konnte mich entscheiden zwischen Tellerwäscher, Rekrut und Wachmann. Da ich mich beim Militär absolut nicht vorstellen konnte und auch keine Lust auf dreckiges Geschirr hatte, entschied ich mich für die Stelle als Wachfrau. Am Telefon versicherte man mir, dass man mir alles Wichtige beibringen würde und ich heute Abend direkt anfangen könnte. Super, ich sagte sofort zu.

Gut gelaunt machte ich mich über mein Frühstück her und malte mir schon aus, was ich mir bald für Tolle neue Möbel holen konnte.

Nachmittags stand dann eine Frau bei mir vor der Türe, die ich vorher noch nie gesehen hatte. Sie stellte sich als Katharina Landgraf vor und fragte mich, ob ich nicht jemanden gebrauchen könnte, der mein Haus jeden Tag reinigt. Da ich ja nun einen Job hatte, sagte ich ihr natürlich zu. Zum Putzen musste ich mich nämlich immer noch durchringen. Katharina war eine sehr liebe Person und wir kamen direkt ins Gespräch.

Wir redeten und redeten. Dabei erfuhr ich auch, dass es Katha (so nannte ich sie mittlerweile) auch nicht so einfach in ihrem Leben gehabt hatte. Ihre Eltern hatten sie verstoßen nachdem sie ihnen erzählt hatte, dass sie lesbisch ist.  Gott sei Dank nahm ihre Freundin sie direkt auf. Und so war sie hier gelandet.

 

Kurz nachdem Katharina gegangen war, kam auch schon meine Fahrgemeinschaft um m ich abzuholen. Ich hatte nur noch schnell Zeit in meine Uniform zu springen (die mir die Firma netterweise nachmittags schon zugeschickt hatte) und schon musste ich los.

Mein erste Wachschicht war so anstrengend, dass ich mich danach einfach nur auf die Couch fallen lies und sofort einschlief. Morgens musste ich erstmal meine Glieder recken, so weh tat mir alles.

Gegen Mittag klingelte es an meiner Tür. Aber es war nicht Katharina, sondern 2 Fremde die sich als Benjamin und Hertha vorstellten. Ich lud die beiden spontan auf einen Drink in meine bescheidene Bude ein. Doch Hertha musste schon wieder weiter, andere Neuzugänge in der Nachbarstadt besuchen. Benjamin kam aber gerne mit rein. 

Wir genehmigten uns das eine oder andere Bierchen, da Benjamin meinte man müsse ja auf gute Nachbarschaft anstoßen. Eigentlich war er ja gar nicht mein Typ, so rein äußerlich betrachtet, aber er hörte sich meine ganzen Probleme an und war einfach so lieb zu mir. Und mit jedem Bier das ich trank fand ich ihn attraktiver.

Und auf einmal haben wir uns geküsst. Ein wunderbar weicher, zärtlicher Kuss.
Ich hätte ihn ewig weiter küssen können, doch ausgerechnet dann muss meine Fahrgemeinschaft kommen. Ich putzte mir schnell meine Zähne, damit man meine Fahne nicht roch und schlüpfte in meine Arbeitsklamotten.

Während ich zum Auto ging spürte ich Benjamins Blicke in meinem Rücken, Aber irgendwie war das Prickeln von eben nicht mehr da…

Am nächsten Tag lud ich Katha und Benjamin zum Mittagessen ein. Ich wollte reinen Tisch mit Benjamin machen und ihm klarmachen, dass das gestern ein Ausrutscher war. Katha sollte dabei sein, weil ich feige war ihm alleine dies zu sagen. Aber ich machte mir umsonst Gedanken. Benjamin nahm es gelassen hin. Er  wollte trotzdem noch mit mir befreundet bleiben. Wir verbrachten einen super Nachmittag zusammen. Doch irgendwas stimmte nicht mit Katha. Sie lachte zwar mit uns, aber war noch lange nicht so gut drauf wie ich es sonst von ihr kannte.  Während Katha auf Toilette war machte ich Benjamin klar, dass ich mit Katha unter vier Augen reden musste.  Er verstand es auch und machte sich auf den Weg nach Hause.

Ich fiel direkt mit der Tür ins Haus und fragte katha was los ist. Unter Tränen erzählte sie mir, dass ihre Freundin sich von ihr getrennt hat und sie jetzt nicht wüsste wo sie unter kommen sollte. Ich schlug ihr vor bei mir einzuziehen. Es ist zwar eng, aber wenn sie sich auch einen Job suchen würde, hätten wir bald ein wenig Geld zusammen um das Haus zu erweitern. Katha fiel ein Stein vom Herzen und nahm meinen Vorschlag dankend an.

Unser größtes Problem bestand darin, dass wir nur ein Bett hatten. Aber wir wechselten uns jede Nacht ab. Damit wir mehr Geld ansparen konnten, gab Katha ihren Job auf und nahm einen Job als Tellerwäscher an. Auch ich hatte Glück in meinem Job und wurde für die Polizistenausbildung ausgewählt, worüber ich mich sehr freute

Mit Katha als Mitbewohner lief vieles einfacher in meinem Leben. Sie konnte nicht nur fantastisch kochen...

...sonder auch alles Mögliche reparieren (und es ging viel in dieser Bruchbude kaputt). Das sparte uns sehr viel Geld, das wir sonst für den Handwerker hätten ausgeben müssen.

Ich war froh sie bei mir zu haben. Mein Leben machte wieder so richtig Spaß!!!

Eines Morgens beim Frühstück erzählte mir Katha, dass sie eine Firma gefunden hätte, die unser Haus kostengünstig umbauen würde. Es würde sogar noch einiges von unserem Ersparten übrig bleiben um uns außer einem neuen Bett noch diverse andere neue Möbel kaufen zu können.
Mit der Aussicht auf neue Möbel genoss ich mein Frühstück gleich doppelt. Während ich bei der Arbeit war, wollte sich Katha um alles kümmern. Sie schaffte es auch direkt einen Termin mit der Firma auszumachen. Sie wollten nächsten Montag schon vorbeikommen. Bis dahin sollten wir die alten Tapeten und Teppiche rausgerissen haben. Man waren wir aufgeregt!         

Irgendwann schlief Katha dann doch ein. Nur ich konnte einfach nicht einschlafen, so nutzte ich die Zeit und schmökerte in diversen Wohnzeitschriften in immenser Vorfreude auf das was  nächste Woche auf uns zukommt.

 

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