Sometimes fate can’t stop meddling

 



Lieber Phil,
ich bin es wieder, deine einstmals beste Freundin. Die, die du anscheinend vergessen hast. Oder warum sonst würdest du dich so lange nicht melden… Ich weiß eigentlich gar nicht warum ich dir schreibe, auf die letzten Mails habe ich auch keine Antwort bekommen. Vielleicht liegt es da dran, dass ich dich von Tag zu Tag mehr vermisse und ich doch ein klein wenig Hoffnung habe, dass nur dein Dad daran schuld ist, dass du mir nicht  antwortest. Dass du mich doch noch nicht vergessen hast…  Jetzt fang ich sogar noch an deinen Vater zu hassen… Nein, eigentlich kann er ja nix dafür. Hätte meine Mum ihn nicht jahrelang hingehalten und ihm letztendlich nen Korb gegeben, wärst du jetzt noch hier bei mir. Ich müsste nicht jeden Tag mit dem Gefühl leben, dass ein Teil von mir fort ist. Aber ich lass sie dafür bluten, dass sie dich mir weggenommen hat. Sie soll genau so leiden wie ich es tue und ihr blöder, neuer Freund auch…
Bitte Phil, egal wo du jetzt auch sein magst, melde dich bei mir.

In Liebe deine Lilly



Jeden Tag auf neue wartete ich auf ein Lebenszeichen von Phil. Und mit jedem Tag der verstrich, hasste ich meine Mum ein kleines bisschen mehr. Sie hatte Phil aus meinem Leben ausgeschlossen und genauso schloss ich sie  jetzt aus meinem Leben aus…

***************************************************************



„Kommt Lilly wieder nicht runter?“

„Nein, dabei habe ich ihr extra Muffins zum Frühstück gebacken.“


„Ich weiß langsam nicht mehr was ich machen soll. Sie redet jetzt schon fast 4 Monate so gut wie gar nicht mit mir. Irgendwann muss sie doch aufhören sauer auf mich zu sein. Ich kann doch nichts dafür, dass Phil sich nicht bei ihr meldet.“



„Liebes, gib ihr Zeit. Sie hat den wichtigsten Menschen in ihrem Leben vielleicht für immer verloren. Auch für Kinder ist das schwer. Sie wird jemand neues finden und dann wird alles wieder gut. Außerdem hör auf dir einzureden, dass du Schuld an der Sache hast. Du verbietest ihr den Kontakt ja nicht. Nur dieser Dean lässt die beiden leiden. Und jetzt lassen wir uns deine Muffins schmecken.“


****************************************


Ich war da nicht so optimistisch….



Lilly behandelte mich wie Luft. Wenn ich sie nach der Schule begrüßte ging sie wortlos an mir vorbei.



Stets stand ich vor verschlossenen Türen. Wenn ich klopfte reagierte sie nicht.



Auch Jack war für sie Luft. Er versuchte am Anfang stets ihr ein guter Freund zu sein. Doch jedes Mal wenn er etwas nettes zu ihr sagte, zum Beispiel wie schön sie Klavier spielte, guckte sie ihn nur giftig an und verließ den Raum.
Sie lebte in ihrer eigenen, kleinen Welt. Langeweile schien sie nicht zu haben. Doch sie ließ mich an nichts teilhaben.

*Bild bei Katha*
Nach den Hausaufgaben war sie meist drüben bei Lynn und übte zusammen mit ihr an der Balletstange.  Dort war sie ausgewechselt. Alberte mit Lynn rum und war in ihrem Redefluss kaum zu bremsen. Aber Lynn hatte ihr auch nicht Phill genommen.



Bis es Zeit zum Schlafen war, saß sie nach dem Abendessen am Strand und schaute zum Meer hinaus. Einige wenige Male hatte ich versucht mich neben sie zu setzen und sie zu trösten. Doch jedes Mal hatte sie mich angeschrien ich solle sie in Ruhe lassen. Ich seihe es ja, die Schuld an ihrem Schmerz sei.



Nachts zerriss es mir das Herz wenn ich sie durch die Wand hindurch weinen hörte. Wie sie jede Nacht aufs Neue im Schlaf nach Phil rief.  Was war ich bloß für eine Mutter? Und doch konnte ich auch Dean nicht verstehen. Warum ließ er nicht zu, dass sein Sohn sich bei Lilly meldete? Er musste doch genauso leiden… War sein Hass auf mich so groß, dass er auch sein Patenkind  so leiden ließ?

****************************************************



Einzig die Liebe zu Jack ließ mich jeden Tag überstehen. Er war mir die nötige Stütze, die ich brauchte.


In seinem Armen fühlte ich mich so richtig glücklich. Konnte so kurz die Sorgen vergessen, die ich mit Lilly hatte.



Er gab mir das Gefühl begehrt zu sein. Uns verband eine gewisse Leidenschaft die mir bei Lars leider immer gefehlt hatte.



Außerdem versuchte er weiterhin Lilly aus ihrem Loch zu holen.

„Lilly, wie lange willst du eigentlich noch diese Tour durchziehen? Meinst du nicht langsam ist es gut? Nimm gefälligst mal Rücksicht auf deine Mutter. Sie hat es schon schwer genug und du machst ihr Leben noch viel schwerer. Sie ist auch sehr traurig, dass dein Onkel und Phil weg sind.“


„Das ich nicht lache. Sie ist doch schuld, dass sie weg sind. Also komm mir nicht damit, dass sie traurig ist. Hat sie damals Rücksicht auf mich genommen? NEIN, stattdessen ersetzt sie Onkel Dean durch einen Lackaffen wie dich.“

„Nun hör mir mal zu kleine Lilly. Ich kann auch anders. Deine Mutter mag vielleicht deine Mätzchen noch weiter dulden, ich aber nicht. Und wenn du nicht langsam wieder normal wirst  werde ich dafür sorgen, dass dein Lotterleben vorbei ist. Dann gibt es keine Ballettnachmittage mehr bei Lynn und Taschengeld kannst du dann auch vergessen. Beleidige mich ruhig so viel wie du willst. Denke nur immer daran, ich sitze am längeren Hebel. Ich habe eine Waffe mit der ich deine Mutter manipulieren kann.“



Und mit diesen Worten ließ er Lilly am Tisch zurück.


Am nächsten Tag war ich sehr erstaunt, dass Lilly mit uns zusammen frühstückte.



Zwar war sie noch lange nicht so fröhlich wie früher, aber sie gab mir Antwort wenn ich sie etwas fragte.



„Siehst du Schatz, Es geschehen doch noch Wunder. Ich bin so froh, dass sie wieder mit mir redet. Ich glaub ich werde ihr dafür heute nachmittags was schönes Kochen.“


„Genau das solltest du nicht machen. Ihr Verhalten ist immer noch unter aller Sau. Erst gestern hat sie mich aufs Übelste beschimpft, dabei wollte ich nur in aller Ruhe mit ihr reden. Ist doch klar was sie jetzt vorhat. Sie will dich jetzt um den Finger wickeln und dich gegen mich aufhetzen.“



„Sie hat dich beschimpft? Jack, das tut mir so leid. Ich wird heute Nachmittag mit ihr darüber reden.“


„Das wird eh nix bringen, da sie es bestimmt abstreiten wird. Warten wir lieber noch etwas ab, wie ihr Verhalten in der nächsten Zeit ist bevor wir irgendwelche schönen Sachen mit ihr machen. Aber ich kenne jemanden, der sich was Schönes verdient hat.“

Und mit diesen Worten zog er mich Richtung Schlafzimmer…


Wir blieben dort den ganzen restlichen Tag. Eigentlich hatte ich ein schlechtes Gewissen gegenüber Lilly. Heute war Sonntag und auch Katha und Lynn waren nicht da.


Aber immer wenn ich nach ihr sehen wollte zog Jack mich zurück in seine Arme und küsste meinen Hals. Danach war ich Butter in seinen Händen.
„Sie ist alt genug um einen Tag alleine zurecht zu kommen“, flüsterte er zwischen zwei Liebkosungen.


Und deswegen dachte ich nicht weiter darüber nach, dass ich eigentlich auch Zeit mit meiner Tochter verbringen sollte…

*************************************



Liebe Lilly,
ich weiß gar nicht wie ich so recht anfangen soll. Vielleicht erstmal mit einer Entschuldigung. Es tut mir so unendlich leid, dass ich mich nicht von dir verabschiedet habe. Dass ich so einfach nachts abgehauen bin. Bitte mach meinem Dad deswegen keinen Vorwurf. Es war einfach alles etwas viel für ihn. Nach deinen Mails zu schließen hast du meine Briefe auch nie erhalten. Wahrscheinlich werden sie in den nächsten Wochen noch bei dir eintreffen. Ich habe nämlich in den letzten 4 Monaten mit Dad die halbe Welt bereist. Wir waren in Australien, Südamerika und in der Heimat meiner Mum. Er wollte sich dadurch ein wenig von seinem Schmerz ablenken. Und es war wirklich toll so viele neue Plätze zu sehen.



Doch jetzt sind wir sesshaft geworden. Dad hat in der kleinen Stadt Forks ein Haus angemietet, da er in der nächstgrößeren Stadt einen Job angenommen hat. Er arbeitet jetzt in einer Rockkneipe und tritt dort auch regelmäßig mit seiner Band auf.



Er widmet sich wieder viel seiner Musik. Ich glaube so kann er am besten alles verarbeiten. Trotzdem kann ich mich nicht beschweren, dass er mit mir keine Zeit verbringt. Außerdem ist meine Mum momentan im Lande und versucht wieder eine Beziehung zu mir aufzubauen. Ich mein sie bemüht sich wirklich (auch bei Dad ;)), aber irgendwie kann ich keine Muttergefühle für sie empfinden. Deine Mum war eher eine Mutter für mich. Und soll ich dir ehrlich was sagen. Auch wenn sie meinem Dad so weh getan hat, so vermisse ich sie doch ein wenig (dich natürlich viel mehr…). 



In den ersten Tagen war ich richtig wütend auf Dad, doch jetzt verstehe ich warum wir gehen mussten. Er leidet Lilly, auch wenn er es nicht zugeben will.  Deswegen nochmal meine Bitte, mach ihm keinen Vorwurf. Ich soll dich übrigens ganz lieb grüßen und er meinte, dass du uns gerne besuchen kommen kannst. Aber nur wenn du deine Mutter zuhause lässt.  =) Ich hoffe deine Mum lässt dich darauf ein. Aber erstmal hoffe ich, dass ich nach der langen Zeit eine Antwort von dir bekomme und dass wir uns bald wiedersehen.

Lg Phil


*********************************************************


Abends saß Lilly mit Herzklopfen am Rechner. Konnte es erst nicht glauben, als sie den Absender von ihrer neuen Email sah.



Mit Freudentränen blickte sie auf das Foto neben sich. Phil hatte sie doch nicht vergessen.



Hi Phil,
natürlich bin ich dir nicht böse. =) Könnte ich niemals… Ich bin schon gespannt wann deine Briefe und Postkarten eintrudeln. Und natürlich möchte ich dich so schnell wie möglich besuchen kommen. Aber erstmal muss ich ne Zeitlang die brave Tochter spielen. Wie gesagt, ich war nicht ganz nett zu meiner Mum in letzter Zeit. Aber ich denke in den Sommerferien komme ich auf jeden Fall zu dir. Bis dahin müssen wir uns wohl mit Schreiben und Telefonieren begnügen. Was hältst du von einer geheimen Telefonsitzung diese Nacht? Wir haben uns sicher viel zu erzählen.

Lg Lilly



In dieser Nacht, nach 3 Stunden telefonieren, hatte Lilly keine Alpträume mehr. Der Gedanke an Phil  ließ sie die ganze Nacht durchschlafen.


***************************************************


Auch mir fiel die Veränderung von Lilly’s Verhalten direkt auf. Sie war wie ausgewechselt. Wir alberten wie in alten Zeiten rum und seit langem sah ich sie mal wieder lachen. Allerdings traute ich mich nicht nach dem Grund für ihre Verhaltensänderung zu fragen, aus Angst, dass sie sich dann wieder ändern würde. Denn wenn Jack anwesend war, war sie nach wie vor in sich gekehrt…



Mir fiel nur auf, dass sie in den kommenden Wochen sehr oft Briefe schrieb und wenn ich ins Zimmer kam diese direkt versteckte.



Auch blockierte sie dauernd das Telefon. Vor allem Nachts, wenn sie dachte das alle schliefen. Das machte mich dann doch stutzig.



„Lilly, ich glaube wir beide müssen uns mal unterhalten. Mir ist in letzter Zeit aufgefallen, dass du ständig mit ein und derselben Person telefonierst. Vor allem nachts, wenn du denkst wir wären am schlafen. Und ich möchte jetzt von dir wissen wer das ist.“

„Mum, wieso willst du das wissen? Reicht es nicht wenn ich dir sage, dass es ein guter Freund ist?“



„Ach Lilly, ich will es dir doch gar nichts verbieten. Aber ich bin deine Mutter und da ich diesen Unbekannten wahrscheinlich noch nie gesehen habe mache ich mir…“ Und dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen. „Lilly, das ist nicht zufällig Phil mit dem du da immer telefonierst?“

„Und wenn es so wäre?“

„Mein Gott, warum hast du mir das nicht schon eher gesagt? Oh, ich freu mich ja so für dich. Aber wieso müsst ihr heimlich telefonieren? Warum kommt er uns nicht besuchen?“



„Mum, sie wohnen 3 Autostunden von hier entfernt. Deswegen kann Phil nicht einfach mal rüberkommen. Und Onkel Dean möchte ihn ungerne fahren, weil er dir und Jack nicht über den Weg laufen will.“

Rums, das saß
.
„Aber sie haben mich eingeladen die Ferien bei ihnen zu verbringen.“



„Wer hat Lilly eingeladen die Ferien bei sich zu verbringen?“



„Niemand.“

„Lilly, sei doch nicht so wortkarg gegenüber Jack. Er kann das ruhig wissen. Dann sag ich es ihm eben.“

„Nein, sag es ihm nicht“

„Lilly, was ist denn auf einmal los mit dir? Also Dean hat sie eingeladen in den Ferien sie besuchen zu kommen.“

„Das hast du ihr doch nicht erlaubt?“

„Was spricht denn dagegen, dass sie die beiden wiedersieht?“

„Was dagegen spricht? Erinnere dich mal an ihr Verhalten bis vor ein paar Wochen. Mittlerweile hat sich das ein wenig verbessert, aber Respekt hat sie vor uns immer noch nicht. Sonst hätte sie dir von Anfang an erzählt, dass Phil sich bei ihr gemeldet hat. Aber lieber kostet sie aus, dass du dir weiter Vorwürfe darüber machst, dass du ihr den besten Freund genommen hast.“



„Du Blödmann, red doch nicht immer so nen Mist. Ich hab wegen dir nichts gesagt.“

„Siehst du Schatz, kaum geht es nicht nach ihrer Nase, schon wird sie ausfallend. Und so ein Verhalten willst du auch noch belohnen.“

„Lilly, auf der Stelle entschuldigst du dich bei Jack für dein Verhalten. Ansonsten muss ich mir das mit deiner Reise wirklich nochmal überlegen.“




„Niemals werde ich mich bei ihm entschuldigen, denn ich hasse ihn und dich hasse ich auch. Weil du mehr zu ihm hältst als zu mir.“



„Lilly, auf der Stelle kommst du wieder her.“

„LASS MICH IN RUHE, ICH BIN DIR DOCH EH EGAL!“

„Und so ein Verhalten wolltest du auch noch belohnen…“

„Ich sollte ihr hinterhergehen.“

„Glaub mir Schatz, dass bringt doch eh nichts. Sie wird dich wieder abweisen. Sie hat sich da in ihrem Trotzverhalten festgefahren. Ich hab dir schon mal gesagt, dass du viel zu viel von ihr durchgehen lässt. Zeig einmal Härte und bestraf sie für ihr Verhalten gerade. Ich denke 3 Wochen kein Ballett wird sie mal nachdenken lassen. Dann wird sie schon merken, dass solch ein Verhalten Strafen nach sich zieht.“

„Aber dann wird sie mich noch mehr hassen.“

„Mach dir keine Sorgen, das wird sie nicht. Sie wird wieder die Alte werden. Glaub es mir. Jedes Kind hat mal solch eine Phase. Vertrau mir.“

„Ich hoffe du hast recht. Aber nur Reden hat wirklich nichts gebracht, Vielleicht muss ich härter durchgreifen.“


Währenddessen stand Lilly alleine im Dunkel und ließ ihren Tränen freien Lauf. Sie kam sich so allein vor, dort unter den Sternen. Phil war so unendlich weit weg und  nun hatte sie nach ihrem Dad auch noch ihre Mutter verloren…

 

 

 

 

Home........................... Weiter