Aus dem Tagebuch von Katharina:

Liebes Tagebuch!

 Ich glaube, dass ich habe meine beste Freundin für Immer verloren habe. Nie hätte ich gedacht, dass so etwas passieren könnte. Nicht  nachdem wir beide schon so viel erlebt haben…
Tränen laufen mir übers Gesicht, wenn ich daran denke, dass nun alles vorbei ist. Es nie wieder wie früher zwischen uns sein wird…

...keine Kissenschlachten im Wohnzimmer mehr…

… oder unsere stundenlangen Gespräche über Gott und die Welt. Wie ich ihre Stimme und ihr Lachen vermisse…

Jetzt stehe ich nur noch vor ihrer verschlossenen Tür.


Wenn ich an der Tür klopfe um mit ihr zu reden will,  kommt entweder nichts von ihr..

 

.. oder sie schreit mich durch die Tür an. Sie sagt, dass ich ihr Glück mit Steve ihr  nicht gönne und sie nur auseinander bringen will, weil ich ihn nicht abkann. Teilweise kann ich sie auch verstehen. Ich habe Steve nie richtig gemocht. Ich wusste immer, dass an ihm irgendetwas faul ist. Aber ich wusste auch, dass Leni ihn liebt und ich wäre nie auf den Gedanken gekommen sie ohne Grund auseinander zubringen…

Manchmal denke ich darüber nach, was passiert wäre, wenn ich an diesem Nachmittag nicht früher nach Hause gekommen wäre. Oder wenn ich ihr nie etwas davon erzählt hätte. Hätte ich damit leben können sie für den Rest meines Lebens zu belügen? Ich hätte dann zwar immer noch eine Freundin, aber ich hätte ihr nicht mehr in die Augen schauen können. Und wie hätte ich mich gegenüber diesem Mistkerl verhalten? Allein schon der Gedanke an ihn lässt meine Wut wieder hochkommen…Hätte er nicht dableiben können, wo er vor Wochen hin verschwunden ist?

Aber Steve kam wieder. Nach 5 Wochen rief er bei uns an. Leni war natürlich total aus dem Häuschen. Er erzählte ihr eine herzzerreißende Story, dass er seiner sterbenskranken Oma hätte helfen musste. Diese wohnte irgendwo am Arsch der Welt wo es leider kein Telefon gegeben hätte. Und die Briefe die er Leni geschrieben hatte müssten wohl auf dem Weg zu ihr verloren gegangen sein. Bla Bla!! Aber Leni nahm ihm alles ab. Wie kann man nur dermaßen in jemanden verschossen sein und so eine Geschichte glauben?

Nach dem Gespräch nahm sie mich überglücklich in die Arme und sagte immer nur „Er liebt mich doch, er liebt mich doch! Ach Katha ich bin so happy.“ Am nächsten Tag sollte er gegen Abend wiederkommen und ich war schon sehr gespannt ob er wirklich kommen würde.

Am nächsten Tag kam ich früher als erwartet von der Arbeit nach hause. Auf dem Weg zur Haustüre hörte ich auf einmal lautes Lachen aus dem Nachbargarten. Ich wunderte mich, dass Steve schon so früh zurück war. Hatte Leni doch erzählt, dass er erst gegen Abend von seiner Oma heimkehren wollte. Noch mehr wunderte mich aber dieses Lachen. Es war das Lachen einer Frau. Leni konnte dies unmöglich sein, da sie im Moment Spätschicht hattet und nie vor 19 Uhr nach hause kam.

Jetzt war meine Neugierde noch mehr geweckt. Was trieb dieser Mistkerl da. Leise schlich ich mich zum Gartenzaun und schaute durch die Zweige. Ich konnte nicht glauben, was ich da sah. Steve stand da engumschlungen mit einer Kappetochter und säuselte ihr betörende Worte ins Ohr: „Ach Miranda, der Urlaub mit dir war so schön, schade das nun alles schon vorbei ist. Aber wir haben noch so viele gemeinsame Stunden vor uns, meine Zuckerschnecke! Ich liebe dich, nur dich!“

Wut stieg in mir hoch. Dieser Mistkerl! Leise, damit mich die beiden nicht doch noch hörten, schlich ich zum Haus zurück. Was sollte ich tun? Ich musste Leni die Wahrheit sagen, aber wie? Am besten wäre, wenn sie die beiden inflagranti  erwischen würde. Oder sollte ich ihr besser nichts sagen? Nein, sie war meine Freundin und sie hatte ein Recht darauf alles zu erfahren!!! Ich war so in Gedanken, dass mir gar nicht auffiel wie schnell die Zeit rumging.
Dann hörte ich die Haustüre ins Schloss fallen. Leni war zuhause. War es schon so spät? Ich gab keinen Mucks von mir, damit sie dachte ich wäre am schlafen. Ich hatte Angst ihr in die Augen zu sehen und ihr die Wahrheit zu sagen. Eine Wahrheit, die ihr sehr weh tun würde…

 

Auf einmal hörte ich einen lauten Aufschrei: „ Katha wach auf, er ist da! KATHA! Nach diesem Schrei konnte ich nicht mehr so tun, als wäre ich am schlafen. Ich rief ihr entgegen, dass ich jetzt  komme. Aber sie wartete mein Aufstehen erst gar nicht ab und lief ihrem Steve freudestrahlend entgegen  Ich hatte noch eine leise Hoffnung, dass Steve es ihr selber sagen würde. Dann musste ich Leni auf jeden Fall beistehen.

Doch als ich zur Haustüre hinausschaute sah es gar nicht danach aus, dass Steve vorhatte ihr dergleichen irgendwas zu sagen.

Dafür schwafelte er in der gleichen Weise, wie er es vor ein paar Stunden noch zu Miranda getan hätte.

„ Babe, ich hab dich so vermisst. Das kannst du dir gar nicht vorstellen. Ich liebe dich doch!  Aber meine Oma brauchte mich, das verstehst du doch.“

Am liebsten wäre ich sofort rübergerannt und hätte ihm eine gescheuert. So ein verlogenes Schwein! Aber ich wollte erstmal abwarten. Und in seinem Beisein wollte ich eh nicht mit Leni darüber reden. Die Situation wäre auch gar nicht eskaliert, hätte Steve nicht diese blöde Bemerkung von sich gegeben hätte. Ich wollte gerade wieder nach drinnen gehen, als ich meinen Namen vernahm. O- Ton Steve:

„ Ist Katha auch da? Oder ist die bei ihrer kleinen Schlampe über die eh schon ganz Simville das Maul zerreißt?  Die macht es doch mit Jedem für Geld. Egal ob sie gerade in einer Beziehung ist oder nicht. Kannst froh sein, dass du mich hast Süße. Ich würd so was NIE machen.  Komm ich zeig dir jetzt wie sehr ich dich vermisst…“

 

Weiter kam der liebe Steve nicht. Nun war mir doch der Kragen geplatzt. Wie eine Furie ging ich auf ihn los. Wie konnte er sich das wagen. Erstmal solche Lügen über Lynn erzählen und dann noch behaupten er würde so was nicht machen. Hat wohl ein ziemliches Kurzzeit gedächniss…Leni schaute mich ganz verdutzt an als sie meine Worte vernahm:

„ Du Mistkerl, verbreitest hier Lügen über jemanden den du überhaupt nicht kennst und hast dann auch noch die Dreistigkeit Leni mitten ins Gesicht zu lügen?! Du würdest niemals fremdgehen? Und was war das denn heute Nachmittag mit Miranda Kappe bei dir im Garten? Hast wohl in ihrem Mund nach Karies geguckt, oder was? Und ihren Körper musstest du ja auch nur von Oben bis  Unten absuchen, da du dir Sorgen gemacht hast sie hat sich was geholt als sie dir mit deiner Omi geholfen hat? Aber nennt man das gemeinsamen Urlaub? Na, sag es uns Steve!!"

Naja, das tat er dann auch, aber leider nicht so wie ich mir das erhofft hatte:

„Katha“, sagte er, „komm mal wieder runter. Hast du nen Arsch offen? Was erzählst du hier für Sachen. Ich war heute Nachmittag gar nicht zuhause und schon gar nicht mit einer anderen Frau. Ich liebe Leni, auch wenn dir das nicht passt. Meinst du mir wäre noch nicht aufgefallen, dass du sie auch für dich haben willst, dass deine Freundin nur Tarnung ist damit Leni das nicht mitbekommt. Warum sonst solltest du solche Lügen in die Welt setzen? Meinst du nicht, ich hätte dich eben gesehen wie du an der Haustüre standest und mich mit deinen Blicken töten wolltest. Dir wäre es doch am liebsten gewesen ich wäre nicht mehr wiedergekommen. Dann hättest du Leni trösten können und dir so ihre Liebe erschleichen können. Wahrscheinlich hast du auch die ganzen Briefe versteckt die ich Leni geschickt habe.“

Ich drehte mich zu Leni herum und hoffte, dass sie diesen ganzen Müll nicht glauben würde. Aber etwas an ihrem Gesichtsausdruck lies mich innerlich erzittern. Man sah ihr richtig ihre Wut an. Aber diese Wut galt nicht Steve sondern mir.

„Leni“, versuchte ich sie zu beruhigen, „ bitte glaub mir doch. Das was er erzählt ist Bullshit. Ich liebe Lynn und war niemals verliebt in dich. Und ich habe ihn wirklich heute Nachmittag mit Miranda gesehen, so glaub mir doch bitte.“

„Es reicht Katha“, schrie sie mir entgegen, “hör auf weiter solche Lügen über Steve zu erzählen. Ich glaube ihm das mit seiner Oma. Warum sollte er fremdgehen? Er liebt mich.“

 

„Aber DU warst schon immer gegen ihn. Du hast es mir nie ins Gesicht gesagt, aber meinst du ich hätte deine Blicke nie gesehen wenn ich dir von ihm erzählt habe? Du hast ihn schon immer gehasst und mir das Glück mit ihm nie gegönnt. Und ich weiß nur einen Grund, du liebst mich und kommst damit nicht klar, dass jemand anderes Sachen mit mir macht die du gerne mit mir machen würdest.“

„Ich dachte du wärst meine beste Freundin, aber Freundinnen gönnen einem das Glück was sie haben und machen nicht so eine Scheiße wie du sie gerade hier abziehst!“
Ich war fassungslos. Sie glaubte ihm mehr als mir. Dies machte mich nun auch wütend:

„Warte nur ab Leni, eines Tages wirst du schon merken, dass ich die Wahrheit gesagt habe. Der Tag wird kommen an dem du Steve inflagrantie mit diesem Flittchen erwichst. Aber komm dann nicht zu mir um dich auszuheulen. Dann bin ich nicht mehr da. Und dann wirst du merken, dass du damals die falsche Entscheidung getroffen hast, dieses fremdgehende Arschloch mir vorzuziehen. Wer einmal fremdgeht tut es immer wieder.“

*Rums* Kaum hatte ich ausgesprochen, hatte Leni mir eine schallende Ohrfeige gegeben. „Ich hasse dich Katharina“, schrie sie mir entgegen, “ ich will dich nie wieder sehen. Pack deine Sachen so schnell wie möglich und such dir ne neue Bleibe. Komm Steve wir gehen.“

Wütend ging Leni nach drinnen. Im Vorbeigehen warf Steve mir ein gehässiges Lächeln zu. Ich hasste diesen Mistkerl. Tränen liefen mir über Gesicht. Ich konnte nicht fassen was gerade passiert war. Leni glaubte ihm und nicht mir. Auf diesen Schock brauchte ich erstmal was Starkes zu trinken.

Abends musste ich dann mit anhören, wie die beiden ihre kleine private Widersehensparty feierten.

 In den nächsten Tagen war Leni wenig zuhause. Die meiste Zeit war sie drüben bei Steve. Dann war Lynn bei mir, um mich ein wenig auf andere Gedanken zu bringen. Ich war so froh, dass ich sie in dieser schweren Zeit an meiner Seite wusste. Wir redeten viel über Leni und was nun am besten zu machen wäre. Denn je länger sie mit Steve zusammen bleiben würde umso schlimmer würde es letztendlich für sie werden. 

 

Lynn entschloss sich einmal mit Leni zu reden. Als diese abends nach hause kam um ein paar Sachen zu holen, fing Lynn sie vor der Tür ab. Doch Leni wollte ihre Meinung nicht ändern.

„Sie hat mich sehr enttäuscht, Lynn. Ich hätte niemals gedacht, dass sie so was machen würde. Das kann ich ihr nicht so schnell vergessen. Ich glaube zwar  mittlerweile nicht mehr, dass sie dies aus Liebe zu mir getan hat, sondern nur weil sie Steve nicht leiden kann. Vielleicht können wir irgendwann wieder normal miteinander umgehen, denn ich vermisse sie doch auch. Aber dies braucht Zeit und auch nur wenn sie einsieht was sie da für Mist gebaut hat. Aber das tut sie ja im Moment noch  nicht. Du musst mich auch verstehen, ich liebe Steve und er mich. Darum glaube ich nicht, dass er mich mit einer anderen hintergeht.“

Dieses Gespräch ist jetzt schon eine Woche her. Mittlerweile ist Leni wieder öfters zuhause. Aber ohne Steve. Denke mal er traut sich nicht zu uns rüber. Aber warum ist Leni dann nicht bei ihm? Zufällig bekam ich gestern ein Telefongespräch der beiden mit. Der Herr hat wohl wieder sehr viel um die Ohren. Ich kann mir auch schon vorstellen was... Warum merkte Leni eigentlich immer noch nicht, dass mit ihm was stimmte. Ihr musste doch klar sein, dass Steve ihr etwas verschwiegt. Ich würde ihr so gerne helfen. Aber ich kann es leider nicht. Eine Möglichkeit gäbe es da vielleicht noch. Ich müsste es irgendwie schaffen diese Miranda auf Leni treffen zu lassen…Oh man, es ist spät geworden.  Morgen ist auch noch ein Tag…

Während Katha ihr Tagebuch schließt, hört sie leises Schluchzen aus Lenis Zimmer. Ihr wird immer mehr bewusst, dass sie handeln muss. Von alleine kommt Leni nicht von Steve los. Und sie muss schnell handeln, bevor es zu spät ist.

 

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